ERP-Lastenheft – Mit Plan und Strategie zum Erfolg

    Beitrag von Jouni Frommann

    Veröffentlicht: 2. März 2026

    Das Wichtigste in Kürze

    Das ERP-Lastenheft hilft bei der Auswahl einer passenden IT-Lösung. In diesem Heft halten Sie Prioritäten, Vorgaben und Kriterien fest, die Ihre ERP-Plattform erfüllen muss. Lastenhefte folgen klaren Vorgaben und sind genormt.

    Das Ziel eines ERP-Lastenhefts ist es, die passende Lösung für die eigenen Prozesse, Anforderungen und Pläne zu finden.

    Ein Lastenheft:

    • beschreibt die konkreten Anforderungen für Ihr ERP-Projekt
    • analysiert den aktuellen Zustand Ihrer Prozesse
    • definiert die gewünschten Ziele
    • bildet die Vertragsgrundlage für die Anbieterauswahl

    Was ist ein Lastenheft für ein ERP-System und wozu dient es?

    Ein Lastenheft ist ein Katalog von Anforderungen, die ein Unternehmen selbst definiert. Sinn und Zweck eines solchen Lastenheftes ist es, die eigenen Bedürfnisse für die Lieferungen und Leistungen festzuhalten. In Bezug auf eine ERP-Plattform fokussiert sich ein Lastenheft auf die benötigten Funktionen und Eigenschaften einer solchen Anwendung.

    Die DIN 69901-5 [1] erwähnt das Lastenheft als Mittel im Projektmanagement und der Projektabwicklung. Die Norm legt den Inhalt und den Umfang des Lastenheftes fest. Dazu zählen Punkte wie der Ist- und Sollzustand, die Funktionen sowie Rahmenbedingungen und der Lieferumfang. Sie erstellen ein Lastenheft in Schriftform, wobei Tabellen und Grafiken gegebenenfalls die wichtigsten Punkte visualisieren.

    In den meisten Fällen erstellen Unternehmen zwei Varianten eines Lastenheftes. Dies sind eine kurze und eine ausführliche Langversion. Die Kurzvariante umfasst einige Seiteninklusive eines knappen Fragenkatalogs. Im längeren Lastenheft sind alle Punkte hingegen bis ins Detail ausgearbeitet.

    Das zentrale Ziel eines ERP-Lastenheftes ist es, das passende System für das eigene Unternehmen zu finden. Damit beginnt das Auswahlverfahren für ein ERP-System. Das Lastenheftstellt sicher, dass alle notwendigen Funktionen vorhanden sind. Weiterhin sorgt das Heft dafür, dass die Lösung kompatibel mit der bestehenden IT ist. Ebenfalls sorgt das Lastenheft dafür, dass das ERP-System in vorhandene Prozesse integrierbar und zukunftssicher ist.

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    Wie ist ein ERP-Lastenheft aufgebaut?

    Der Aufbau eines ERP-Lastenheftes folgt einer klaren Struktur. Dafür ist das Heft in mehrere Punkte gegliedert. Eine typische Gliederung sieht wie folgt aus:

    Grundlagen & Analyse

    • Einleitung
    • Projektbeschreibung
    • Aktuelle Situation
    • Zielsetzung/Konzept
    • Fachliche Anforderungen
    • Prozessbeschreibungen
    • Beispielbelege sammeln

    Anforderungen & Rahmenbedingungen 

    • Technische Anforderungen
    • Organisatorische Anforderungen
    • Rechtliche Anforderungen
    • Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
    • Weitere relevante Anforderungen
    • Abnahmekriterien

    Dieser strukturierte Aufbau erleichtert es, das ERP-Lastenheft zu erstellen. Welche Kriterien und Punkte exakt in die einzelnen Kategorien kommen, hängt von Ihren Anforderungen ab. In den technischen Anforderungen definieren Sie zum Beispiel die Schnittstellen, die ein ERP-System bieten muss.

    Weiterhin sind potenzielle Anforderungen, dass eine direkte Anbindung zur Finanzbuchhaltung oder der E-Commerce-Lösung gelingt. Fachliche Anforderungen betreffen die digitalen Beschaffungsprozesse der ERP-Lösung oder ein vorhandenes Reklamationsmanagement. Die eigentlichen Inhalte sind somit sehr individuell und abhängig vom jeweiligen Unternehmen.

    Wie schreibe ich ein Lastenheft für ein ERP-Projekt?

    Mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung setzen Sie ein solches Projekt intern mit eigenen Ressourcen um. Das ERP-Lastenheft entsteht phasenweise und wächst so von der Zielsetzung bis zu den Entscheidungskriterien. Es gibt für solche Projekte auch Lastenheft-Vorlagen für ERP-Software im Internet.

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    Expertentipp

    Standardfunktionen wie Finanzbuchhaltung nur stichpunktartig auflisten. Ausführliche Beschreibungen sind hier überflüssig. Gleichzeitig nicht zu viel Insiderwissen voraussetzen: Ein Review durch einen externen Berater oder Kollegen außerhalb des Projektteams sichert Verständlichkeit.

    Der erste Schritt ist die Zusammenstellung des Projektteams. Dieses ist für das Lastenheft verantwortlich und besteht im Idealfall aus einer Mischung von Entscheidungsträgern. Hilfreich sind Personen aus den Fachabteilungen und der IT. Das Team definiert zunächst die Ziele der neuen ERP-Lösung. Dann geht es daran, die aktuelle Situation zu protokollieren und alle relevanten Prozesse zu durchleuchten. An diesem Punkt ist Input der einzelnen Abteilungen wichtig. Dazu gehören die Fachabteilungen, die mit der ERP-Plattform arbeiten. Auch Eingaben aus der IT-Abteilung sind wichtig.

    Im nächsten Schritt geht es darum, die Anforderungen und Soll-Prozesse zu konkretisieren. Dabei haben zunächst die fachlichen Anforderungen Priorität. Darauf folgen die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen. Dazu zählen Faktoren wie die benötigten Schnittstellen oder ob es ein Cloud-ERP-System sein soll oder On-Premise.

    Beim Erstellen des ERP-Lastenbuchs folgen danach die Bewertungskriterien. Hier geht es um die Gewichtung der Funktionen, die Leistungen des Anbieters und natürlich auch um das Preis-Leistungs-Verhältnis. Basierend auf diesen Informationen startet dann der Auswahlprozess, der in einer fundierten Entscheidung mündet.

    Kurz zusammengefasst sehen die einzelnen Phasen bei der Erstellung des ERP-Lastenhefts so aus:

    Die einzelnen Phasen des ERP-Lastenhefts

    • Projektteam gründen
    • Ziele definieren
    • Input aus allen betroffenen Abteilungen sammeln
    • Istzustand protokollieren
    • Prozesse analysieren
    • Sollzustand und zukünftige Prozesse definieren
    • Technische und organisatorische Anforderungen festlegen
    • Bewertungskriterien bestimmen

       


    Wie unterstützt ein gut ausgearbeitetes Lastenheft die Auswahl eines ERP-Anbieters?

    Das Lastenheft ist ein wichtiges Werkzeug bei der Auswahl von Softwarelösungen wie einem ERP-System. Dafür gibt es klare Gründe. In erster Linie ist ein ERP-Lastenheft hilfreich dabei, die eigenen Anforderungen an eine solche Plattform festzustellen.

    Weiterhin können Sie mit einem Lastenheft verschiedene Lösungen direkt miteinander vergleichen und tatsächlich wichtige Eigenschaften priorisieren. Mithilfe des Katalogs im Lastenheft kommunizieren Sie alle Anforderungen klar, was den Austausch mit den potenziellen Anbietern der ERP-Plattform erleichtert. 

    Dies hilft zudem beim Customizing. Oftmals sind individuelle Schnittstellen für die Integration erforderlich. Immer beliebter wird auch ein ERP-System basierend auf einer Hybrid Cloud. Das ERP-Lastenheft sorgt dafür, dass Sie diese Ziele schneller und präzise erreichen.

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    Gleichzeitig führt das ERP-Lastenheft Fachbereiche, IT-Abteilung und Geschäftsführung zusammen. Jede Abteilung hat wichtige Punkte und einen anderen Fokus. So gelangen alle Kriterien, die für den Betrieb entscheidend sind, in das ERP-Lastenheft. Ein wichtiger Faktor ist zudem, dass die Entscheidungsprozesse dokumentiert sind. Das sorgt für Transparenz und eine neutrale sowie sachliche Entscheidungsfindung. Ebenfalls sorgt die Dokumentation für einen Schutz vor Leistungsabweichungen durch den ERP-Anbieter. Hilfreich ist dies als Referenzbei Streitfällen.

    In seiner Gesamtheit hilft Ihnen das ERP-Lastenheft dabei, einen strukturierten Entscheidungsprozessdurchzuführen. Damit gewährleistet das Lastenheft, dass die gewählte ERP-Lösung tatsächlich die Anforderungen erfüllt. Das ist wichtig, denn Investitionen in die IT sind strategische und langfristige Entscheidungen. Somit sind Fehler teuer. Das ERP-Lastenheft ist somit eine wichtige Komponente, damit sich die neue ERP-Lösung in der Praxis bewährt und zukunftssicher ist.

    Quellen:

    [1]  DIN – DIN-Normenausschuss Qualitätsmanagement, Statistik und Zertifizierungsgrundlagen (NQSZ) – https://www.din.de/de/mitwirken/normenausschuesse/nqsz/veroeffentlichungen/wdc-beuth:din21:113428752.

     

    Jouni Frommann

    Jouni Frommann ist Fachinformatiker für Systemintegration mit langjähriger praktischer Erfahrung in der Datenbankverwaltung von ERP-Systemen. Außerdem bringt er Know-how in Webentwicklung und modernen KI-Tools mit. Begeistert von neuen Technologien, die den Arbeitsalltag effizienter und smarter machen, ist er seit 15 Jahren als Fachautor im IT-Bereich tätig und stets darauf bedacht, komplexe Themen verständlich und praxisnah aufzubereiten.

     

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    Vice President Presales Proalpha

     

     

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