Digitaler Produktpass ab 2027: Was die Fertigungsindustrie jetzt wissen muss

    Veröffentlicht: 23. März 2026

    Das Wichtigste in Kürze

    Der digitale Produktpass (DDP) wird ab 2027 zu einer zentralen Anforderung für 
    europäische Fertigungsunternehmen, um Nachhaltigkeit und Transparenz digital 
    abzubilden. Unternehmen sollten sich frühzeitig auf die Einführung vorbereiten, da der digitale Produktpass weit über eine bloße regulatorische Pflicht hinausgeht und neue 
    Marktchancen durch datengetriebene Resilienz eröffnet.

    • Verpflichtende Dokumentation: Ab 2027 müssen Materialzusammensetzung, 
      Nachhaltigkeitskennzahlen und der gesamte Lebenszyklus eines Produkts digital 
      erfasst werden.
    • Technische Integration: Die Umsetzung erfolgt über bestehende ERP- und PLM Systeme unter Nutzung der Verwaltungsschale (AAS) für standardisierte Datenstrukturen.
    • Kompetenzlücke schließen: Da bisher nur 42 % der Unternehmen die genauen 
      Anforderungen kennen, ist eine gezielte Weiterbildung der Belegschaft in 
      digitalen Technologien unerlässlich. 

    Die europäische Fertigungsindustrie steuert auf einen entscheidenden Wendepunkt zu. 
    Geopolitische Instabilitäten, hohe Kosten und der Mangel an Fachkräften zwingen 
    Betriebe dazu, ihre Strategien grundlegend zu modernisieren. Ein zentrales Element 
    dieser Transformation ist der digitale Produktpass, eine EU-Regulierung, die viele 
    mittelständische Unternehmen derzeit noch vor große Herausforderungen stellt. Wer 
    diese Entwicklung jedoch frühzeitig als Chance begreift, kann sich entscheidende 
    Marktvorteile sichern.

    Welche konkreten Pflichten bringt der digitaler Produktpass für Unternehmen mit sich?

    Ab 2027 wird es für viele Branchen ernst: Die EU verpflichtet Hersteller und Zulieferer schrittweise dazu, einen DPP bereitzustellen. Diese standardisierte Dokumentation muss Informationen über den gesamten Lebenszyklus, die verwendeten Materialien sowie Nachhaltigkeitskennzahlen eines Produkts in digitaler Form bündeln.

    Aktuelle Studien zeigen jedoch eine erhebliche Wissenslücke: Nur 42 % der hiesigen Unternehmen wissen genau, was der digitale Produktpass konkret umfasst, und rund ein Viertel kann gar nicht einschätzen, ob der eigene Betrieb bereits vorbereitet ist. Die größten Hürden liegen für den Mittelstand vor allem in fehlenden Compliance Ressourcen sowie der hohen Komplexität der Anforderungen. Dabei schafft ein gut implementierter Produktpass nicht nur Rechtssicherheit, sondern auch wertvolle Transparenz gegenüber den Kunden. 

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    Wie gelingt die technische Integration für den DPP in bestehende IT-Systeme?

     Technisch setzt der digitale Produktpass auf bereits vorhandene Systeme auf. Das ERP-System fungiert dabei als zentrale Datenquelle: Es liefert Materialinformationen und ermöglicht im Reparaturfall den Zugriff auf die Produkthistorie. PLM-Lösungen unterstützen diesen Prozess, indem sie die Daten über den gesamten Lebenszyklus hinweg verwalten.

    Um eine reibungslose Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen und Partnern in der Lieferkette zu ermöglichen, wird die Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS) genutzt. Diese sorgt für eine standardisierte und interoperable Datenstruktur, damit der DPP effizient erstellt und geteilt werden kann. Ein integrierter Produktpass wird so zum digitalen Zwilling des physischen Produkts.

    Wie verändern KI und neue digitale Kompetenzen die Arbeit mit dem digitalen Produktpass? 

    Neben regulatorischen Vorgaben prägt Künstliche Intelligenz die Produktion von morgen. Bereits über die Hälfte der Fertigungsunternehmen nutzt KI, um Bestände und Lieferketten effizienter zu steuern. Innerhalb von PLM-Systemen beschleunigt die Technologie die Bereitstellung von Informationen, was auch die Pflege der Daten für den digitalen Produktpass erheblich vereinfacht.

    Trotz dieser Vorteile bleibt die Skepsis in der DACH-Region mit 29 % vergleichsweise hoch, was oft an einer spürbaren Kompetenzlücke in den Teams liegt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Betriebe einiges in die Weiterbildung investieren. Angesichts von über 163.600 fehlenden MINT-Fachkräften allein in Deutschland wird die digitale Kompetenz zum kritischen Erfolgsfaktor. Der souveräne Umgang mit KI, digitalen Zwillingen und dem DPP gehört künftig zum Standardprofil in fast allen Abteilungen, vom Qualitätsmanagement bis zum Kundenkontakt.

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    Connected AI, was ist das überhaupt? Im exklusiven Interview sprechen Daniel Jost von Proalpha und Andreas Maring von Nemo AI über die Integration von AI in moderne ERP-Systeme.

    Warum ist ein effizienter Produktpass der Schlüssel zu resilienten Lieferketten? 

    Geopolitische Risiken zwingen Unternehmen dazu, ihre Produktion regionaler aufzustellen und Abhängigkeiten zu reduzieren. In diesem instabilen Umfeld müssen Hersteller in der Lage sein, in Echtzeit auf Risiken zu reagieren. Der digitale Produktpass unterstützt diese Resilienz, indem er lückenlose Transparenz über die Herkunft und Beschaffenheit aller Materialien bietet.

    Parallel dazu beobachten wir einen Trend zur Plattformkonsolidierung: Unternehmen bündeln ihre Technologie-Stacks, um die wachsende Komplexität zu reduzieren und Kosten zu senken. Ein interoperabler DPP, der nahtlos in diese konsolidierten Plattformen integriert ist, beschleunigt Innovationen und verbessert die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. So wird der digitale Produktpass zum Bindeglied zwischen ökologischer Verantwortung und technischer Effizienz. 

    Fazit: Warum ist der digitaler Produktpass entscheidend für eine nachhaltige und digitale Industrie? 

    Der Weg durch die nächsten Jahre erfordert Mut zur digitalen Veränderung: Der digitale Produktpass ist das Fundament für datengetriebene Nachhaltigkeit und damit zu für zukunftssichere Wettbewerbsfähigkeit,  weil er Abläufe im Produktionszyklus standardisiert und die Entwicklung neuer Services sowie die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben erleichtert. Unternehmen, die den digitalen Produktpass strategisch in ihre Prozesse einbinden und gleichzeitig in die Talente ihrer Mitarbeiter investieren, gewinnen die nötige Flexibilität für den globalen Markt. Letztlich wird die Fähigkeit zu schnellem, datenbasiertem Handeln über den langfristigen Erfolg in der europäischen Industrie entscheiden. 

     

    Wie funktioniert KI und wo lohnt sie sich wirklich?

    Das KI-Wissensportal liefert Antworten: mit praxiserprobten Use Cases, die zeigen, was KI im Unternehmensalltag tatsächlich leistet. Ob Fertigungsunternehmen, Einkauf oder Finanzwesen: Hier finden Mittelständler das Wissen, das sie für einen gezielten KI-Einsatz brauchen. Fundiert, verständlich, umsetzbar.

    Quellennachweis für verwendete Statistiken:

    [1] Anpassung der Supply-Chain-Strategien (85 %): Studie von Revalize. https://revalizesoftware.com/de/digital-library/pro-file-herstellungsbericht-fall-25/
    [2] KI-Einsatz in der Fertigung (>50 %): Studie von Revalize.
    [3] KI-Skepsis in DACH-Ländern (29 %): Beyond Buzzwords. https://beyondbuzzwords.de/blog/deutsche-zur%C3%BCckhaltung-zahlt-sich-aus
    [4] Kenntnisstand zum Digitalen Produktpass (42 %): Umfrage von Forterro. https://www.forterro.com/de/ressourcen/digital-future-research-report
    [5] Fehlende Compliance-Ressourcen/Komplexität (je 42 %): Umfrage von Forterro.
    [6] Reduktion der Abhängigkeit von Hochzoll-Regionen (52 %): Studie von Revalize.
    [7] MINT-Fachkräftemangel (ca. 163.600): MINT-Frühjahrsreport des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. https://www.nationalesmintforum.de/newsroom/detail/mint-report-mint-fachkraeftemangel-gefaehrdet-zukunftsprojekte


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