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FachinformationEinkauf & Logistik - 13.03.18

Von der Lieferkette zum Liefer-Flow

Wie die Digitalisierung für reibungslose Abläufe entlang der Supply Chain sorgt

Prozesse in der Materialwirtschaft werden immer zeitkritischer: Die Lagerbestände sollen so gering wie möglich gehalten werden und Endkunden fordern immer kürzere Lieferzeiten. Der direkte „Draht“ zwischen Lieferanten, Lager-IT und ERP hilft, die Durchlaufzeiten in der Lieferkette zu optimieren. Der ERP-Hersteller proALPHA hat einige Praxisszenarien zusammengestellt.

Die Puffer zwischen Wareneingang und Weiterverarbeitung werden immer geringer. Daher muss die Liefer- und Vertriebskette absolut fehlerfrei laufen. Dies erfordert einen nahtlosen Informationsfluss zwischen Hersteller und Lieferant. Ohne IT ist das nicht zu leisten. Als führende Instanz initiiert das ERP-System diese Lieferprozesse und steuert sie auch. Fertigungs- und Handelsunternehmen profitieren gleich mehrfach davon: Sie beschleunigen ihre Abläufe, verkürzen Lieferzeiträume und können Termine zuverlässiger vorhersagen.

Automatische Orders: Läuft!

Um Bestellungen rechtzeitig auf den Weg zu bringen, haben viele Unternehmen bereits „Benachrichtigungssysteme“ über ihre Lagerbestände eingerichtet. Bei der rheinlandpfälzischen apra-norm ist man bereits einen Schritt weiter. Hier sorgt ein elektronisches Kanban-Regalsystem für C-Teile dafür, dass die passenden Schrauben oder Bolzen immer ausreichend zur Verfügung stehen, wenn sie für die Montage der Schaltschränke benötigt werden. Dazu stehen mehrere Dutzend Behältnisse mit den Kleinteilen in einem Regal jeweils auf einer Waage. Mit jeder Entnahme sinkt das Gewicht. Unterschreitet es eine kritische Schwelle, wird automatisch Nachschub geordert. Dazu findet in der Nacht ein Abgleich zwischen dem elektronischen Kanban-System und den erfassten Beständen im Modul Materialwirtschaft der ERP-Software proALPHA statt. Bei Bedarf löst diese die Bestellung beim jeweiligen Lieferanten direkt aus.

Bei Mungo, einem auf Befestigungstechnik spezialisierten Hersteller aus der Schweiz, sorgt dagegen eine vollautomatisierte und flexible Produktionsplanung dafür, dass sich immer genügend Ware im Lager befindet. Knapp 1.500 Tonnen Stahldraht verarbeitet der Schweizer Hersteller jährlich. Das Advanced Planning and Scheduling berechnet Kapazitäten und prüft, ob jeweils genügend Material vorhanden ist. Geht ein Bestand zur Neige, stößt das ERP-System einen Bestellprozess an.

Portale erhöhen die Transparenz

Für die Versorgung mit kritischen A-Teilen gehen viele Unternehmen weniger bedarfs-, sondern plangesteuert vor. Um Lieferzeiten zu verkürzen, legen einige ihren Zulieferern sogar ihre Produktionsplanung offen. RAUCH Landmaschinen zum Beispiel hat für rund 60 Lieferanten ein Web-Portal eingerichtet. Diese sehen hier nicht nur die Bestellungen, sondern auch den Forecast der Produktionsplanung. Somit weiß ein Lieferant, ob in naher Zukunft weitere Bestellungen geplant sind, und kann auf Lager vorproduzieren. Das ermöglicht RAUCH selbst bei starker Nachfrage einen raschen Abruf. Zusätzlich können die Lieferanten über das Portal ihre Stammdaten jederzeit prüfen, wie zum Beispiel Lieferzeiten oder Kontaktinformationen. Ein weiterer Schritt, um Papier- und E-Mail-Aufkommen zu reduzieren.

Für reibungslose Abläufe muss die Kommunikation entlang der Lieferkette in beide Richtungen funktionieren. Über ein Portal  oder via EDI (Electronic Data Interchange) kann der Zulieferer beispielsweise kommende Warenlieferungen ankündigen. Neben dem voraussichtlichen Termin informiert er auch über das Transportmittel und den beauftragten Transporteur, eventuelle Abweichungen zwischen Bestell- und Liefermenge oder mögliche Gefahrstoffe. Diese Informationen werden dann im ERP-System als Lieferavis weiterverarbeitet. Zudem vereinfacht dies den späteren Wareneingang, da die Daten direkt aus dem Lieferavis übernommen werden. Fehlerquellen bei der Belegübernahme werden so eliminiert und die weitere Bearbeitung beschleunigt sich.

Mehrere Lagerstandorte prozesssicher managen

Die Steuerungsfunktion des ERP-Systems ist nicht auf einen Standort begrenzt. Bei Hawa Sliding Solutions beispielsweise sind alle chaotisch geführten Hochregallager samt deren Lagerrechnern in proALPHA als führendem System eingebunden. Alle Abläufe – ob Wareneingänge, Umbuchungen oder Materialbewegungen – lassen sich auf einer Oberfläche abbilden. Per Auswahlfilter wählen die Logistikmitarbeiter den Lagerort und ob sie Ware ein- oder auslagern wollen. Bei Letzterem gibt proALPHA die entsprechenden Fahrbefehle an automatisiert betriebene Staplerfahrzeuge vor Ort weiter, welche die entsprechenden Behälter in Bewegung setzen. Bei Einlagerungen sieht der Lagerist beispielsweise automatisch passende Lagerplätze.

Lieferanten-Logistik-Zentren (LLZ) nahtlos integrieren

LLZ sind in der Regel als Konsignationslager angelegt. Sie sind meist in unmittelbarer Nähe des weiterverarbeitenden Unternehmens oder sogar auf dessen Werksgelände angesiedelt. In einem LLZ befinden sich oft Teile verschiedener Zulieferer. Dies sorgt für geringe Lagerkosten für den einzelnen Lieferanten. Der weiterverarbeitende Betrieb wiederum sichert sich damit die Lieferfähigkeit bei einer Vielzahl von Zukaufteilen ab. Ein solches Logistik-Modell sorgt nicht nur für kurze Wege. Es gewährleistet auch eine höhere Prozesssicherheit, denn unplanbare Störfaktoren langer Transportwege werden ausgeschlossen. Abrufe, Lieferschein- und Transportdaten werden hier in der Regel via EDI mit dem ERP-System ausgetauscht.

Diese vier Szenarien zeigen exemplarisch: Digitale Informationsflüsse in der Lagerlogistik ebnen den Weg für reibungslose Warenströme – und das unabhängig von Lagerort und Lagertyp. Damit hilft die Digitalisierung Unternehmen in Industrie und Handel, ihre Kunden schneller mit den gewünschten Produkten zu versorgen.

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