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FachinformationIT & OrganisationProduktion & KonstruktionIndustrie 4.0 - 03.06.15

Industrie 4.0 – mit dem richtigen ERP-System Schritt für Schritt zur smarten Fabrik

Interview mit Dr. Markus Berg

Industrie 4.0 macht die Produktion smarter: Sie stellt die zunehmend individualisierten Kundenanforderungen in den Mittelpunkt – über alle Geschäftsprozesse hinweg. Grundlage dafür sind vernetzte Maschinen, Sensoren und ERP-Systeme, die Informationen in Echtzeit verarbeiten und aufbereiten. Welche Rolle das ERP-System dabei spielt, erfahren Sie im Interview mit Dr. Markus Berg, Leiter SE Produktion bei der proALPHA Software GmbH.

 

In welchen Punkten müssen sich ERP-Systeme verändern, um Anforderungen in Hinblick auf Industrie 4.0 oder Internet der Dinge erfüllen zu können?

Die Produktion in Losgröße eins bei steigender Variantenvielfalt wird für immer mehr Branchen zum wettbewerbsentscheidenden Faktor. Hier müssen Konfigurationsmöglichkeiten bereitgestellt werden, die auf ERP-Ebene mit Design- und Fertigungsprozessen verzahnt sind. proALPHA ist bereits mit einem Konfigurator ausgestattet, der beispielsweise in den Smart-Factory-Szenarien des DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) zum Einsatz kommt.

Auch in Produktionsplanung und Disposition muss sich einiges ändern: Durch schnellere Reaktions- und Lieferzeiten ändert sich auch die Planung. Losgröße eins erfordert zunächst mal ein schnelles Umkonfigurieren der Produktion für die jeweilige Fertigung, damit es wirtschaftlich bleibt. Wichtigster Stellhebel sind hier die Rüstkosten. Der Wunsch, viel mehr Varianten zu produzieren – den Kunden also jeden Wunsch zu erfüllen – führt zu deutlich mehr kurzfristigem Handlungsbedarf. Das kurzfristige und rasche Planen bringt jedoch andere Herausforderungen als beispielsweise eine langfristige Planung fürs Jahr mit sich. ERP-Systeme müssen sich also verstärkt in Richtung flexible Planungsalgorithmen orientieren.

Ein wichtiger Treiber für viele Unternehmen sind Qualitätsverbesserungen und die Nachvollziehbarkeit, wie ein Teil produziert wurde – einschließlich transparenter, automatisierter Dokumentation. Ganz entscheidend ist, dass die vertikale Integration bis auf die Maschinenebene im Shopfloor vorangebracht wird, damit die Informationen aus den Maschinen direkt ins ERP gelangen.


Wie lässt sich das Problem der fehlenden Integration mit der Maschinenebene lösen?

Immer mehr Kunden fordern heute vom Maschinen- und Anlagenbau, dass die Produkte mit entsprechenden Schnittstellen ausgestattet sind und die Anbieter sind dabei, umzudenken. Doch für bestehende Fertigungslandschaften müssen ebenfalls Lösungen gefunden werden, die beispielsweise in einer Middleware bestehen können, die Maschinendaten standardisiert.

Es gibt hier schon einige Lösungen in der Anwenderschaft, die allerdings unternehmensspezifisch sind. Die Schnittstellen zu schaffen, ist aber immer wieder eine Herausforderung, weil es keinen Standard gibt. Für das Anbinden von Komponenten unterschiedlicher Standards und der unternehmensübergreifenden Kommunikation ist proALPHA mit der INWB (Integration WorkBench) gut aufgestellt.


Welche Geschäftsprozesse im ERP-System werden insbesondere von den neuen Strategien betroffen sein?

Das Ziel ist, den klassischen Fließbandgedanken von Henry Ford heute mit vollständiger Varianz zu leben. Dafür müssen sich nicht nur die Produktion, sondern der ganze Vertrieb bis hin zu Materialplanung, Beschaffung und Disposition verändern. Produkte müssen flexibel geplant werden und der Kunde soll die Möglichkeit haben, schon ab Losgröße eins sein individuelles Produkt zu ordern – alles in „Schwarz“ zu liefern ist heute keine Option mehr. Das kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten.


Welche Aufgaben müssen mittelständische Unternehmen in den nächsten Jahren lösen, um fit für Industrie 4.0 zu sein?

Es geht darum, Potentiale für neue Prozesse und Geschäftsmodelle zu identifizieren und die Digitalisierung ganz pragmatisch voranzutreiben. Dafür braucht es Menschen, die die Abläufe im Unternehmen verstehen und die Gabe des Querdenkens besitzen. Wenn zum Beispiel die Qualität mit einem digitalen Produktgedächtnis weiter gesteigert werden soll, um sich damit vom Wettbewerb abzuheben, gilt es die nötigen Schritte dafür zu analysieren.

Es lohnt sich, Industrie 4.0 und Internet of Things wie einen Riesenwerkzeugkasten zu betrachten, mit Konzepten zu Big Data oder Cyber Physical Systems oder eben dem digitalen Produktgedächtnis.


Wir danken Ihnen für das Gespräch!

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