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FachinformationGeschäftsleitung - 20.04.16

„Go West“: ERP-Einsatz in den USA

Die USA sind eine der größten Wirtschaftsmächte weltweit – mit einem enormen Potenzial für europäische Firmen. proALPHA unterstützt seine Kunden, die gen Westen expandieren, seit 1998 mit einer eigenen US-Niederlassung. Wolfram von Schoen, CEO und Managing Director der proALPHA Software Corporation wirft im Interview ein Schlaglicht auf landesspezifische Herausforderungen. Er ist seit über 15 Jahren in beiden Märkten zu Hause und Inhaber beider Pässe.

Warum sind die USA für deutsche Mittelständler ein so interessanter Markt?

Ein gut aufgestellter deutscher Mittelständler hat es weitgehend selbst in der Hand, schnell Erfolge auf dem US-Markt zu erzielen. Denn die fachliche und fremdsprachliche Qualifikation deutscher Mitarbeiter ist sehr hoch. Der Grad der Organisation und Integration der Firmen ebenso, speziell im Bereich Produktion und Logistik. Dadurch haben deutsche Firmen in puncto Know-how einen klaren Vorteil.
Gleichzeitig sind die Bedarfe des nordamerikanischen Marktes denen des deutschen sehr ähnlich. Sehr vorteilhaft ist auch die Flexibilität in den USA: Im Zweifelsfall legt man los und korrigiert den Kurs auf halbem Weg.

Wo erleben Sie im Tagesgeschäft die größten Unterschiede?

Das US-Steuersystem ist eine echte Herausforderung. Während es in Deutschland nur zwei unterschiedliche Mehrwertsteuersätze gibt, wird die Mehrwertsteuer in den USA zum Teil auf Staats-, auf Kommunen- oder gar Ortschaftsebene festgelegt. Richtig komplex wird es, wenn man auch die Verbrauchssteuer berücksichtigen muss: Diese fällt neuerdings oft in dem Staat an, wo die Wertschöpfung durch das Produkt erzielt wird.

Um diese Komplexität abzubilden, haben wir unter anderem auch eine landespezifische Lösung erarbeitet. Sie bindet entsprechende Steuerfälle von Drittanbietern ein.

Welche Besonderheiten muss eine ERP-Software in den USA bei der Finanzbuchhaltung abbilden?

Zunächst einmal gelten für US-Unternehmen die allgemein anerkannten Rechnungslegungsgrundsätze der Vereinigten Staaten, die sich von den deutschen grundlegend unterscheiden. Sie genießen beispielsweise eine größere Flexibilität hinsichtlich der Buchungsperioden: Während in Deutschland Monatsabschlüsse üblich sind, kann man die Buchungsperioden in den USA auch nach Wochen aufteilen.

Was gibt es bei der Finanzbuchhaltung noch zu beachten?

Zusätzlich gelten Feinheiten: US-Firmen müssen zum Beispiel Ware in Arbeit in der Bestandsführung berücksichtigen, da für die USA das Umsatzkostenverfahren gilt. In Deutschland hingegen arbeitet der Großteil der Firmen nach dem Gesamtkostenverfahren, nach dem Ware in Arbeit in der Regel nicht automatisch gebucht wird. Auch externe Mitarbeiter werden steuerlich anders behandelt: Sie müssen laut US-Steuerverwaltung gesondert ausgewiesen werden, um die Steuermeldungen abgleichen zu können.

Last but not least: Es mag überraschen, aber in den USA sind Schecks als Zahlungsmittel gang und gäbe. Deshalb bieten wir auch eine Lösung für die Scheckverwaltung an.

Gibt es weitere spezielle Funktionen?

Ja, vor allem im Service und in der Logistik. Das Beschwerde- und Call-Management sowie das Management von Rücksendungen mithilfe von „Return Material Authorizations“ spielen in den USA beim Servicegeschäft eine große Rolle. In Deutschland ist das – zumindest bei vielen Mittelständlern – erst im Kommen.

In der Logistik bieten wir unseren US-Kunden eine landesspezifische Softwarekomponente zur direkten Anbindung von Logistikdienstleistern, zudem Barcode- und mobile Lösungen für Lager- und Betriebsdatenerfassung. Darüber hinaus verfügt unsere Landesversion über weitere Funktionen speziell für die Logistik zwischen europäischem Stammhaus und nordamerikanischen Tochterunternehmen.

Hat sich der Fokus der US-Niederlassung verändert?

Anfangs haben wir hauptsächlich Bestandskunden betreut und folgten unseren europäischen Kunden in die USA. Mit dem Eintritt unseres Investors Bregal und dem Wechsel der Geschäftsführung haben wir die Aufmerksamkeit für die USA erhöht.

Mit Erfolg: Mittlerweile vertrauen rund 70 Kunden in 28 Bundesstaaten und in Kanada auf uns – viele davon Niederlassungen und Werke europäischer proALPHA Kunden.

Sie sind seit August 2014 an Bord. Worauf legen Sie Ihren Schwerpunkt?

Auf den Ausbau unseres Teams mit ortsansässigen Mitarbeitern und unsere Organisation. In den letzten eineinhalb Jahren haben wir unsere Anzahl an Beratern, Entwicklern sowie Mitarbeitern für den Support und unsere Academy massiv aufgestockt – ausschließlich durch US-Bürger mit dauerhafter lokaler Anstellung.

Wir sind nun stark aufgestellt und bieten unseren Kunden noch mehr Kontinuität und Kapazität in der Dienstleistung. Darauf sind wir stolz.

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