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FachinformationGeschäftsleitung - 06.07.17

Der Brexit und die Folgen für die IT

Für die ERP-Software ist der Brexit kein Problem

Der Austritt Großbritanniens aus der EU verunsichert mittelständische Unternehmen. In Bereichen wie Steuern, Datenschutz oder Vertragsrecht könnten sich die Spielregeln künftig ändern. Mit einer modernen ERP-Software wie proALPHA ist man zumindest technisch auf der sicheren Seite, denn Änderungen lassen sich flexibel umsetzen. 

Ein gutes Jahr liegt das historische Brexit-Referendum mittlerweile zurück. Doch nach den Neuwahlen in Großbritannien ist immer noch unklar, wie es mit den Briten und der EU weitergehen soll. Experten gehen zwar davon aus, dass ein „harter Brexit“ – also ein kompletter Rückzug des Vereinigten Königreichs aus der europäischen Zollunion – eher unwahrscheinlich ist, wirklich sicher ist das allerdings nicht. Für exportorientierte Unternehmen wird es Zeit, sich gedanklich mit den Folgen des Brexits auseinanderzusetzen. 

Nach dem Brexit ist Großbritannien ein Drittland. Doch für die EU gibt es solche und solche Drittländer. Norwegen, Island und Liechtenstein gehören zwar nicht der EU, aber dem erweiterten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) an. Landen die Briten am Ende hier, ändert sich für die europäischen Handelspartner vergleichsweise wenig. Für diese Länder gelten in Bezug auf den Binnenmarkt die gleichen Spielregeln wie für EU-Mitgliedsstaaten. Ähnlich ist die Situation der Schweiz: Die Schweizer gehören zwar nicht dem EWR an, haben aber unzählige Einzelabkommen mit der EU geschlossen – mit einem unterm Strich nahezu identischen Ergebnis. Wirklich haarig wird es erst, wenn das Vereinigte Königreich die EU ohne Abkommen verlässt, wie der Blick auf die folgenden fünf Problemfelder zeigt:

1. Zölle & Steuern

Problem: Im Moment werden Waren zwischen der EU und Großbritannien zollfrei ein- und ausgeführt. Auch die Einfuhrumsatzsteuer bei Importen aus dem Vereinigten Königreich entfällt. Das könnte sich künftig ändern. 

Lösung: Wird aus einem EU-Mitglied ein Drittland, muss sich dies im ERP-System widerspiegeln. Probleme sind bei den fälligen Änderungen nicht zu erwarten. Schließlich gibt es bereits Drittländer, auf deren Strukturen man aufsetzen kann. Wichtig ist, dass die Änderungen konsistent im gesamten Datenbestand durchgeführt werden. proALPHA veröffentlicht hierzu assistentengestützte Pflegeprogramme, die Anwender Schritt für Schritt durch die einzelnen Anpassungen führen. Am Tag X ist es dann zum Beispiel nicht mehr möglich, eine Rechnung mit dem Status „EU-Land“ an einen britischen Kunden zu versenden. Unternehmen mit einem überschaubaren Datenbestand können die Änderungen natürlich auch manuell vornehmen. Zusätzlich sind Belege zu korrigieren, die zum Stichtag zwar angelegt aber noch nicht abgeschlossen sind. 

Besonders einfach wird der Brexit mit proALPHA 7.1, das im Frühjahr 2018 auf den Markt kommt. Darin lassen sich den einzelnen Ländern Gebietszugehörigkeiten wie etwa „EU“,„EWR“ oder „Drittland“ zuweisen. Diese Merkmale umfassen Regelungen, die im Geschäftsverkehr innerhalb der EU oder zwischen der EU und anderen Ländern gelten. Manuelle Eingriffe werden auf diese Weise deutlich reduziert. Gleichzeitig lassen sich Anpassungen schneller umsetzen. Änderungen auf Ebene der Gebietszugehörigkeit gelten automatisch für alle Länder, die dem jeweiligen Gebiet zugeordnet sind. Auf diese Weise werden kleinteilige Eingriffe bei einzelnen Datensätzen vermieden.

2. Handel & E-Commerce

Problem: Für viele Unternehmen gehört Großbritannien zu den wichtigsten Zielmärkten innerhalb der EU. Das könnte sich nach dem Brexit ändern. Zölle & Steuern verteuern den Warenaustausch. Auslandskäufe werden damit für beide Seiten unattraktiver. Hinzu kommen längere Lieferzeiten durch die Zollabfertigung, die auf gesteigerte Zollabwicklungsvolumen durch die zusätzliche Abwicklung der EU-Importe kaum vorbereitet sein dürfte.

Lösung: Verlässt Großbritannien den Binnenmarkt, sind gegebenenfalls die Lieferbedingungen zu prüfen und anzupassen, um längere Lieferzeiten zum Kunden zu berücksichtigen. Gleichzeitig sollten etwaige Umsatzeinbußen durch den verteuerten Warenaustausch einkalkuliert werden. Für exportorientierte Unternehmen ist es möglicherweise sinnvoll, bereits jetzt nach neuen Zielmärkten zu suchen, um später Auslastungslücken zu vermeiden.

3. Logistik & Vertikale Lieferketten

Problem: In besonderem Maße sind vertikale Lieferketten vom Brexit betroffen. Erfolgt ein Teil der Produktion in Großbritannien, erhöhen Zölle und Steuern die Produktionskosten. Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob die beteiligten Unternehmen verbunden oder lediglich Partner sind. Der Brexit kennt keine Privilegien für Konzerne. Ein weiteres Problem sind zeitliche Verzögerungen bei der Zollabfertigung. Dadurch können Lieferzeiten signifikant steigen.

Lösung: Unternehmen, die im Rahmen von Just-in-Time-Konzepten nur mit einer geringen Bevorratung arbeiten, sollten ihre Supply-Chain-Strategie überdenken. Mehr Puffer wäre ein probates Mittel, um das Risiko schwankender Lieferzeiten zu begrenzen. Grundsätzlich ist zu prüfen, ob angesichts steigender Kosten eine Produktionsverlagerung langfristig sinnvoll erscheint.

4. Neue Produktvarianten

Problem: Nach dem Brexit bestimmt Großbritannien die Zugangsregeln für den heimischen Markt selbst. Unternehmen könnten dadurch gezwungen sein, britische Produktvarianten zu entwickeln, um das regionale Zulassungsverfahren erfolgreich zu bestehen. Die Produktion würde sich dadurch weiter verteuern. Die Wettbewerbsfähigkeit wäre negativ beeinflusst. 

Lösung: Steuern, Zölle, Einfuhr- und Zulassungsverfahren sind externe Faktoren, die sich durch unternehmerische Entscheidungen nicht beeinflussen lassen. Gelingt es nicht, etwaige Kostensteigerungen auszugleichen und gehen deswegen Marktanteile verloren, bleibt kaum etwas anderes übrig, als neue Zielmärkte zu suchen.

5. Vertragliche Vereinbarungen

Problem: Nach dem Brexit müssen sich britische Gerichte nicht mehr an europäisches Recht halten. Zudem verlieren die Urteile des Europäischen Gerichtshofs in Großbritannien an Bedeutung. Das kann dazu führen, dass sich die Rechtslage in Europa und dem Vereinigten Königreich auseinanderentwickelt. Für europäische Unternehmen steigen damit die Kosten für die Rechtsberatung. Zudem wird es schwerer, eigene Rechtspositionen durchzusetzen, wenn der zugrundeliegende Vertrag ganz oder teilweise auf britischem Recht basiert. 

Lösung: Es könnte sinnvoll sein, bestehende vertragliche Vereinbarungen mit britischen Firmen zu überprüfen – und gegebenenfalls deutsches Recht zu vereinbaren.

6. Datenschutz

Problem: Nach dem Brexit ist Großbritannien in Sachen Datenschutz ein Drittstaat. Die einheitlichen Regeln für den Datentransfer innerhalb der EU gelten dann nicht mehr. Das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)schreibt für diesen Fall vor: „Wer personenbezogene Daten in ein Drittland übermitteln will, muss sicherstellen, dass im Zielstaat ein angemessenes Datenschutzniveau gewährleistet ist.“ Gemeint ist damit, dass der Datenschutz ein mindestens ebenso hohes Niveau haben muss wie in der EU. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Daten „nur“ innerhalb eines Konzerns geteilt oder anderen Unternehmen übermittelt werden. Das kann aufwändige technisch-juristische Prüfverfahren und eine kleinteilige Dokumentation nach sich ziehen. Gelingt der Nachweis nicht, dürfen Kundendaten nur eingeschränkt oder gar nicht ausgetauscht werden. Für viele Unternehmen ist das kaum praktikabel. 

Lösung: Unternehmen, die im Vereinigten Königreich aktiv sind, sollten – je nach Verhandlungsverlauf – einen Plan B in der Schublade zu haben. Auch wenn dies bedeuten könnte, keine personenbezogenen Daten mehr in Großbritannien zu speichern.

7. Die Cloud

Problem: Die Datenschutzproblematik betrifft nicht nur den Datenaustausch, sondern auch Cloud-Dienste, die Daten in Großbritannien speichern. Hier kann es passieren, dass ein britisches Rechenzentrum die EU-Vorgaben zur Compliance künftig nicht mehr erfüllt. 

Lösung: Je nach Verhandlungsverlauf macht es auch hier Sinn, frühzeitig nach Alternativen zu suchen. Schließlich bedürfen Anbieter- und Systemwechsel auch in der Cloud eine gewisse Vorbereitungszeit. Am Tag X könnte es hierfür zu spät sein.

Fazit – Keine Panik

Der Brexit wird das Leben vieler exportorientierter Unternehmen erschweren. Auf der anderen Seite haben die Verhandlungen gerade erst begonnen. Es bleibt also genügend Zeit, um nach Alternativen Ausschau zu halten. Gut zu wissen, dass sich die Kernfragen des operativen Geschäfts mit proALPHA relativ einfach lösen lassen. Der Aufwand ist damit kaum höher, als bei einer Umsatzsteueränderung. Dennoch empfiehlt es sich, die Verhandlungen aufmerksam zu verfolgen und – sobald konkrete Ergebnisse vorliegen – eine betriebliche Strategie zu entwickeln. 

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